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Copyright © 2000 Hans-Michael Sobetzko
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Der Ast, auf dem man sitzt
Die Nachricht in der Norddeutschen Rundschau vom 16. März dieses Jahres, dem „Palais für aktuelle Kunst“ den jährlichen Zuschuss von 28000 Euro zu streichen, schockiert in der Tat und zwar in mehrfacher Hinsicht. Diese Nachricht wurde an diesem Tag in der Rundschau zweimal veröffentlicht: Im Lokalteil der Glückstädter Fortuna und auf der überregionaler Kulturseite der Zeitung. Das war nicht doppelt gemoppelt, sondern entspricht dem Ansehen, das das Kunsthaus in Glückstadt und überregional genießt. Doch den Stadtvertretern aus allen Fraktionen, die die Abwicklung befürwortet haben, ist dieses Renommee ein Dorn im Auge: Die Ausstellungen im Palais würden von zu vielen Leuten aus Hamburg besucht. Dieser Einwand ist – mit Verlaub – provinziell. Und beschämend für die, die so denken.
Dass diese Stadtvertreter, die diese Empfehlung zu verantworten haben, auch noch über die Maßen unsensibel sind, erhöht das Missfallen über ihre Entscheidung: Es scheint ihnen entgangen zu sein, dass hier nicht wenige Bürger ehrenamtlich Öffentlichkeitsarbeit verrichten, dass sie sich für eine das Ansehen der Stadt fördernden Angelegenheit engagieren, dass sie sich im Bereich des alten Stadtdenkmals Glückstadt kompetent für die neue Kunst einsetzen. Es scheint ihnen weiter entgangen zu sein, dass sie die Firmen, die die einzelnen Ausstellungen finanziell mit ermöglicht haben, vor dem Kopf stoßen. Denn das, was diese Firmen mit ihrem Interesse und ihrem Beitrag begleiten, ist, wie man vermuten kann, den Stadtvertretern keinen Schuss Pulver wert. Verletzt haben sie alle, die das Palais für aktuelle Kunst unterstützen. Ein Teil des Images der Stadt steht auf dem Spiel. Man sägt den Ast, auf dem man sitzt, nicht an.
Josef Singldinger, Glückstadt
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